MPU Fahrrad Alkohol: Wann Dein Führerschein in Gefahr ist
Betrunken auf dem Fahrrad: Kann Führerschein kosten.
Wer nach einer Feier betrunken auf das Fahrrad steigt, riskiert seinen Autoführerschein. Ab einem Wert von 1,6 Promille ordnet die Fahrerlaubnisbehörde zwingend eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung an.
MPU Fahrrad Alkohol - Warum passiert das?
Beim Fahrradfahren gelten andere Promillegrenzen als beim Autofahren. Das liegt daran, dass ein Fahrrad kein Kraftfahrzeug ist. Trotzdem nimmst Du aktiv am Straßenverkehr teil. Der Gesetzgeber unterscheidet hier zwischen der relativen und der absoluten Fahruntüchtigkeit.
Die magischen Grenzen bei Alkohol auf dem Rad
Die relative Fahruntüchtigkeit beginnt auf dem Fahrrad bei 0,3 Promille. Wenn Du diesen Wert erreichst und gleichzeitig sogenannte Ausfallerscheinungen zeigst, machst Du Dich strafbar. Ausfallerscheinungen sind zum Beispiel Schlangenlinien fahren, das Ignorieren von roten Ampeln oder ein Unfall. In diesem Fall greift Paragraph 316 des Strafgesetzbuches. Die Polizei ermittelt dann wegen Trunkenheit im Verkehr. Eine MPU wird hier meistens noch nicht sofort angeordnet, es sei denn, Du bist Wiederholungstäter.
Die absolute Fahruntüchtigkeit beginnt bei Radfahrern bei 1,6 Promille. Ab diesem Wert geht der Gesetzgeber davon aus, dass Du Dein Fahrrad nicht mehr sicher steuern kannst. Es spielt dann keine Rolle mehr, ob Du Schlangenlinien fährst oder völlig unauffällig radelst. Der Wert allein reicht aus, um harte Konsequenzen auszulösen. Wenn Du wissen möchtest, wie diese Grenzen bei anderen Fahrzeugen aussehen, findest Du in meinem Ratgeber Ab wie viel Promille MPU eine genaue Übersicht.
Alkohol und E-Bike fahren ist auch ein gefährliches Unterfangen.
Warum 1,6 Promille die kritische Marke ist
Der Wert von 1,6 Promille ist nicht zufällig gewählt. Die Unfallforschung der Versicherer hat in Studien mit Probanden genau untersucht, wie sich Alkohol auf Radfahrer auswirkt. Die Forscher ließen alkoholisierte Personen einen Parcours fahren. Bis 1,0 Promille gab es einen moderaten Anstieg der Fehler. Oberhalb von 1,6 Promille nahm die Ausfallrate jedoch drastisch zu. Die Wissenschaft belegt also klar, dass ab diesem Wert eine sichere Teilnahme am Verkehr unmöglich ist.
Rechtlich ist die Sache durch Paragraph 13 Nummer 2 c der Fahrerlaubnis-Verordnung geregelt. Dieser Paragraph zwingt die Fahrerlaubnisbehörde dazu, ein medizinisch-psychologisches Gutachten einzufordern, wenn jemand mit 1,6 Promille oder mehr im Straßenverkehr auffällt. Das gilt ausdrücklich auch für Radfahrer.
Die Strafen für eine solche Fahrt sind empfindlich. Du bekommst in der Regel eine Geldstrafe von etwa 30 Tagessätzen. Das entspricht einem kompletten Netto-Monatsgehalt. Außerdem trägt das Kraftfahrt-Bundesamt zwei Punkte in das Fahreignungsregister in Flensburg ein. Die größte Hürde bleibt aber die Begutachtung. Mehr zu den genauen Abläufen bei einer MPU Alkohol erkläre ich Dir auf meiner Detailseite.
Schieben oder Fahren: Die genaue Rechtslage
Viele Betroffene versuchen sich vor Gericht damit zu verteidigen, dass sie das Fahrrad nur geschoben haben. Hier schauen die Richter sehr genau hin. Es gibt klare Urteile, die definieren, was als Fahren gilt und was nicht.
Das Verwaltungsgericht Köln hat entschieden, dass das reine Schieben eines Fahrrades keine Trunkenheitsfahrt ist. Wer schiebt, ist Fußgänger. Fußgänger dürfen auch mit hohen Promillewerten am Verkehr teilnehmen, solange sie sich und andere nicht gefährden. Wenn Dich die Polizei also beim Schieben kontrolliert, droht Dir in der Regel keine MPU.
Anders sieht es aus, wenn Du auf dem Fahrrad sitzt. Der Verwaltungsgerichtshof München hat den Begriff des Führens eines Fahrzeugs sehr streng definiert. Wenn Du auf dem Sattel sitzt, das Fahrrad rollt und Du beide Füße in der Luft hast, führst Du das Fahrzeug. Es reicht also aus, wenn Du Dich einen kleinen Berg hinabrollen lässt, ohne in die Pedale zu treten. Sobald Du rollst und lenkst, bist Du Fahrer. Wenn Du dabei 1,6 Promille hast, ist Dein Führerschein in Gefahr.
Fahrrad, Pedelec und E-Scooter im Vergleich
Die Regeln für Fahrräder lassen sich nicht einfach auf andere Zweiräder übertragen. Besonders bei Fahrzeugen mit Elektromotor gibt es große rechtliche Unterschiede, die Du kennen musst.
Ein normales Pedelec, dessen Motor nur beim Treten hilft und bei 25 km/h abschaltet, gilt rechtlich als Fahrrad. Hier greift also die Grenze von 1,6 Promille. Ein E-Scooter hingegen ist ein Kraftfahrzeug. Für E-Scooter gelten exakt die gleichen strengen Regeln wie für Autos. Hier droht der Führerscheinentzug schon bei viel niedrigeren Werten. Wenn Du mehr über die Kombination von verschiedenen Substanzen im Verkehr wissen willst, schau Dir auch meine Informationen für Cannabispatienten an.
Mit welchen Kosten musst Du rechnen?
Eine Trunkenheitsfahrt auf dem Rad wird teuer. Neben der Geldstrafe vom Gericht kommen die Kosten für die Begutachtung und die Vorbereitung auf Dich zu. Die reine Prüfungsgebühr bei der Begutachtungsstelle liegt für eine Alkohol-Fragestellung meistens zwischen 600 und 1100 Euro. Diese Gebühr zahlst Du direkt an den TÜV, die Dekra oder eine andere anerkannte Stelle.
Dazu kommen die Kosten für Deine Nachweise. Wenn Du beweisen musst, dass Du keinen Alkohol mehr trinkst, brauchst Du Laboruntersuchungen. Haaranalysen oder Urinkontrollen über ein ganzes Jahr kosten oft mehrere hundert Euro. Es ist wichtig, dass Du diese Tests bei einem akkreditierten Labor machst. Dein normaler Hausarzt reicht dafür nicht aus. Die genauen Anforderungen erkläre ich Dir in meinem Artikel zum Thema Abstinenznachweis beim Hausarzt.
Brauchst Du einen Abstinenznachweis oder reicht kontrolliertes Trinken?
Wer mit 1,6 Promille auf dem Fahrrad erwischt wird, hat eine sehr hohe Alkoholtoleranz. Ein normaler Mensch würde bei diesem Wert kaum noch das Gleichgewicht halten können, geschweige denn Fahrrad fahren. Die Gutachter wissen das. Sie gehen davon aus, dass Du über einen langen Zeitraum viel Alkohol getrunken hast, um Dich an diese Mengen zu gewöhnen.
Deshalb reicht es in der Begutachtung oft nicht aus, einfach nur Besserung zu geloben. Du musst Dein Trinkverhalten grundlegend ändern und diese Änderung beweisen. In vielen Fällen fordern die Gutachter einen Abstinenznachweis über sechs bis zwölf Monate. Du musst also durch Haaranalysen oder Urintests belegen, dass Du komplett auf Alkohol verzichtest. Alle Details dazu findest Du unter MPU und Abstinenznachweis.
In manchen Fällen ist auch das sogenannte kontrollierte Trinken eine Option. Das bedeutet, Du trinkst Alkohol nur noch zu sehr seltenen, vorher festgelegten Anlässen und in sehr geringen Mengen. Ob dieser Weg für Dich möglich ist, hängt von Deiner Vorgeschichte und Deinem genauen Promillewert ab. Mehr dazu erfährst Du in meinem Beitrag über MPU und kontrolliertes Trinken.
Der Blick in Deine Akte: Warum die Vorbereitung früh starten muss
Die Fahrerlaubnisbehörde meldet sich oft erst Monate nach der Tat bei Dir. Viele Betroffene warten dieses Schreiben ab und verlieren dadurch wertvolle Zeit. Wenn der Brief kommt, setzt Dir die Behörde meistens eine sehr knappe Frist von wenigen Wochen, um das Gutachten vorzulegen. Wenn Du dann noch keine Abstinenznachweise gesammelt hast, ist der Führerschein erst einmal weg.
Deshalb solltest Du sofort handeln. Lies dazu meinen Ratgeber Wann meldet sich die Führerscheinstelle wegen MPU. Der erste Schritt in einer guten Vorbereitung ist immer der Blick in Deine Führerscheinakte. Dort stehen alle Details zu Deiner Trunkenheitsfahrt, die genauen Promillewerte und mögliche frühere Auffälligkeiten. Die Gutachterin oder der Gutachter wird sich im Gespräch genau auf diese Akte beziehen. Wie Du an diese Dokumente kommst, erkläre ich Dir unter Akteneinsicht MPU.
Was passiert, wenn Du die MPU verweigerst?
Manche Radfahrer denken, sie könnten die Untersuchung einfach ignorieren, weil sie ohnehin kein Auto mehr fahren wollen. Das ist ein großer Fehler. Wenn die Behörde ein Gutachten anordnet und Du dieses nicht fristgerecht abgibst, entzieht sie Dir den Autoführerschein. Das ist der normale Vorgang.
Aber es geht noch weiter. Die Behörde kann Dir auch verbieten, fahrerlaubnisfreie Fahrzeuge zu führen. Das Verwaltungsgericht Augsburg hat in einem Fall mit 1,77 Promille ausdrücklich bestätigt, dass die Behörde ein Radfahrverbot aussprechen darf, wenn der Betroffene das geforderte Gutachten nicht vorlegt. Du darfst dann nicht einmal mehr Fahrrad fahren. Wer sich an dieses Verbot nicht hält, riskiert hohe Strafen.
So bereitest Du Dich optimal vor
Eine MPU wegen Alkohol auf dem Fahrrad ist kein einfacher Test, den man mit etwas Auswendiglernen besteht. Die Gutachter wollen sehen, dass Du verstanden hast, warum Du mit so viel Alkohol gefahren bist. Sie suchen nach echter Selbstreflexion und einer stabilen Verhaltensänderung. Ohne professionelle Hilfe fallen etwa 80 Prozent der Teilnehmer beim ersten Versuch durch.
Als Verkehrspsychologin arbeite ich nicht mit standardisierten Gruppenkursen. Wir schauen uns in Einzelgesprächen Deine persönliche Geschichte an. Wir erarbeiten gemeinsam, welche Funktion der Alkohol in Deinem Leben hatte und wie Du in Zukunft sicherstellst, dass Du Trinken und Fahren strikt trennst. Wenn Du Fragen zu meinem Netzwerk hast, schau gerne auf der Seite meiner Partner vorbei. Und wenn Du allgemeine Fragen zum Ablauf hast, findest Du viele Antworten in meinen FAQs.